Alfred-Amann-Gymnasium Bönnigheim                                                Lehrer: Matthias Köhnlein
Klasse 9d

Autoren: Mattis Kohstall, Luca Kron, Julian Peck, Benjamin Roth

Zusatzinformation: Artikel wurde von Michael Volz, Leiter für Pädagogik und Kultur des PKC, kontrolliert und freigegeben.

Nach über 80 Jahren – Jüdische Erinnerung lebt weiter

Freudental Seit 1811 gibt es bereits den neuen jüdischen Friedhof in Freudental. Auch heute wird die Geschichte der Juden in Freudental nicht vergessen.

Am Rande des Waldes, mit idyllischer Sicht auf das Dorf und Felder, liegt der neue Jüdische Friedhof in

Freudental. Seit 1811 werden dort die jüdischen Bewohner Freudentals und aus der näheren Umgebung beigesetzt. Es wurde bereits 1723, als die ersten Juden nach Freudental kamen, ein Friedhof angelegt, der in der Umgebung des Waldrandes Bietigheims lag. Dieser wurde jedoch zerstört, da am gleichen Ort für den König eine Fasanerie gebaut wurde. Der Friedhof ist nur ein kurzer Fußmarsch von der ehemaligen Synagoge entfernt, welche in der Mitte des Dorfes liegt und ein Wahrzeichen der ehemaligen jüdischen Gemeinde ist. Auf dem Friedhof kann man eine deutliche Struktur erkennen, denn die Gräber sind chronologisch wie in der hebräischen Schriftweise von rechts nach links angeordnet. Außerdem sind Männer-, Frauen- und Kindergräber voneinander getrennt, wie es man auch aus der Synagoge und früher aus der christlichen Kirche kennt. Beim Betreten des Friedhofs ist aus Gründen des Respekts zu beachten, dass alle männlichen Personen eine Kopfbedeckung tragen müssen. 

Die heutige Erinnerungskultur

Auch heute, mehr als 80 Jahre nach dem Holocaust, hat der Friedhof nichts von seiner Bedeutung verloren. Einen großen Beitrag dazu leistet das PKC (Pädagogisch-Kulturelles Centrum), welches regelmäßig Führungen und Lerntage über den Friedhof und die Synagoge anbietet. Michael Volz, Leiter für Pädagogik und Kultur und Leiter der

Friedhofsführungen, meint: “Wir müssen den Friedhof als Teil unserer Gesellschaft betrachten und dürfen ihn nicht schänden.”

Ein jüdischer Brauch

Steine haben im normalen Leben keine Bedeutung, sie liegen einfach unbeachtet herum. Im jüdischen Glauben hingegen sind sie von großer Bedeutung. Sie stehen für Unvergänglichkeit, Erinnerung und Ewigkeit. Aus diesem Grund werden auf jüdischen Friedhöfen traditionell keine Blumen gepflanzt, die nach kurzer Zeit verwelken würden. Unter anderem auch, da Blumen verwelken und Steine ewig halten. Bei einer Führung des PKC auf dem jüdischen Friedhof kann man diesen Brauch auch als Nicht-Jude ausüben und einen Stein auf ein beliebiges Grab legen. 

Die ehemalige Synagoge in Freudental

Da in Freudental eine jüdische Gemeinde war, findet man dort ein ehemaliges jüdisches Gebetshaus. Von 1770-1938 haben die jüdischen Freudentaler regelmäßig in der Synagoge gebetet und gelernt. Am Tag nach der Reichspogromnacht 1938 ist die Synagoge von Nazis aus Ludwigsburg geschändet worden. Dadurch wurde der Ort für das Gebet unbrauchbar. Das Gebäude diente anschließend verschiedenen Zwecken, unter anderem zeitweise als Lagerraum einer Schlosserei. In den 1980er-Jahren wollte die Gemeinde Freudental das baufällig gewordene Gebäude abreißen und ein Mehrfamilienhaus an diese Stelle bauen. Ein Verein kaufte jedoch die ehemalige Synagoge und renovierte sie aufwändig. Heute finden hier Führungen und Kulturveranstaltungen statt. Auf der Frauenempore kann man außerdem die Genisa-Ausstellung besuchen.

Die Geschichte von Julius Marx

„Ich hört‘ in mancher Stadt Der Glocken Festgeläute“. Das ist der Anfang eines bekannten Gedichts: „O, Du mein kleines Dorf“. Es wurde von Julius Marx verfasst und handelt von Freudental. Auch er wurde auf dem jüdischen

Friedhof auf eigenen Wunsch im Jahre 1970 beigesetzt. Er war ein Unternehmer für elektrische Autozubehörteile und war ein großer Konkurrent von Robert Bosch. Im Jahre 1935 floh er in die Schweiz. Von dort aus unterstützte er aus dem Exil den Widerstand gegen das NS-Regime, indem er wichtige Informationen an die britischen und französischen Behörden weiterleitete. Im Jahre 1968 wurde ihm deshalb vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Der jüdische Friedhof zeigt, dass die jüdische Geschichte in Freudental nicht in Vergessenheit geraten ist und niemals vergessen werden darf. Als Ort der Erinnerung trägt er dazu bei, das Andenken an die ehemalige jüdische Gemeinde zu bewahren und ihre Geschichte ankommende Generationen weiterzugeben.