Alfred-Amann-Gymnasium Bönnigheim Lehrer: Matthias Köhnlein
Klasse 9d
Autorinnen: Julina Arnold, Calla Bailer, Lea-Emilia Sigloch
Zusatzinformation: Artikel wurde von Ladenbesitzerin Reinhild Enßlin-List kontrolliert.
Leute brennen für Keramik
Gespräche und Gelächter füllen den Raum, während die jetzt noch blasse Farbe im Keramikladen Lust&Laune von Reinhild Enßlin-List, Pinselstrich für Pinselstrich, von Jung und Alt, auf die trockenen Rohlinge aufgetragen wird. Der Laden ist voll von Leuten, aber die Temperatur ist angenehm. Alle Arbeiten hoch konzentriert an ihren Stücken und können dabei entspannen, da der Alltagsstress draußen in der prallen Sonne geblieben ist. Das Bemalen von Keramik liegt aktuell voll im Trend. Woran das liegt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen des gemütlichen Ladens.
Das Bemalen von Keramik ist laut Ladenbesitzerin Reinhild Enßlin-List eine hervorragende Aktivität zur Stressbewältigung. Da man sich dabei vollständig auf das Anmalen der Stücke fokussiert, blendet das Gehirn negative Gedanken wie Arbeitsstress oder eine schlechte Mathenote aus. Zudem werde einem beim Keramikbemalen nie langweilig, da man so viele verschiedene Möglichkeiten habe, seinen Rohling zu gestalten und immer etwas Neues ausprobiert werden könne. Reinhild Enßlin-List erklärt zudem, dass Keramik bemalen nicht wirklich ein neuer Trend sei, sondern schon lange existiere. Ihr eigenes Geschäft feierte bereits sein zehnjähriges Bestehen, während andere Läden in der Branche schon auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken können.
Sie gibt offen zu, dass das Geschäft durch den Einfluss von Social-Media-Plattformen spürbar an Fahrt aufgenommen hat, besonders in den letzten dreieinhalb Jahren. Dieser ,,Hype“ sorge dafür, dass an einem Samstag pro Zeitslot um die 60 Leute kommen, somit werden an einem Tag 120-180 Personen betreut. Es ist von jeder Altersgruppe etwas dabei und Reinhild Enßlin-List stellt lachend fest: „Wenn wir ein Spieleverlag wären, dann wären wir Ravensburger, denn es stünde 0 bis 99 auf der Verpackung.“ Sie ergänzt: „Wichtig ist es aber auch, auf jeden Einzelnen einzugehen und die Unterstützung zu geben, die benötigt wird.“
Nach dem Bemalen ist das Brennen an der Reihe. Dafür bleiben die bemalten Stücke zunächst im Laden. Dort werden sie erstmals einige Tage lang getrocknet und anschließend mit einer transparenten Glasur überzogen. Erst danach beginnt der eigentliche Brennvorgang. Die Keramikstücke kommen in einen speziellen Brennofen und werden bei etwa 1000 Grad Celsius gebrannt. Durch die hohe Hitze verschmelzen die Glasur und die Farbe dann dauerhaft mit dem Material. Danach müssen die Stücke etwa 26 bis 36 Stunden langsam abkühlen. Erst wenn sie vollständig ausgekühlt sind, können sie aus dem Ofen genommen werden.
Für die Kunden heißt es bis dahin, ein bisschen Geduld zu haben. Doch das Warten lohnt sich, denn nach dem ganzen Prozess strahlen die Farben besonders schön und sind perfekt für den Alltag. So wird aus einem am Anfang noch weißem Rohling, dann zum Schluss ein ganz besonderes alltagstaugliches, lebensmittelechtes und sogar spülmaschinenfestes personalisiertes Unikat, an dem man lange Freude hat.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob dieses Hobby wirklich zu einem passt. Martina aus Stuttgart und Christiane aus Ludwigsburg wollten eine Beschäftigung suchen, „bei der man nicht nur shoppen geht“, sondern die auch eine gewisse Ruhe bringen kann. Die beiden Damen hörten von Lust&Laune durch ihre Kinder. Christiane ist bereits zum zweiten Mal dort, obwohl ihr Alltag sonst nicht aus handwerklichen Aktivitäten besteht. Martina dagegen ist zum ersten Mal im Geschäft. Sie ist in ihrer Freizeit sehr gerne kreativ und probiert oft handwerkliche Dinge aus.
Beide Frauen bemalten flache Teller mit wunderschönen Blumenmustern. Dabei suchten sie Konzentration, Ruhe und ein neues Hobby, bei dem man sich entspannen kann. Genau das haben sie dort auch gefunden. Daran merkt man, dass wirklich jeder beim Keramikbemalen Spaß haben kann, selbst wenn man wenig Erfahrung im handwerklichen Bereich mitbringt. Das zeigte sich auch am strahlenden Lächeln der beiden Frauen während der Arbeit. Ob es sich wirklich lohnt, ist nun die letzte Frage. „Ja!“, antworteten beide wie aus einem Mund. Für sie beide auf jeden Fall.


